Thuja occidentalis

Deutsche Stoffbezeichnung: Lebensbaum

Verwendet werden die frischen, beblätterten, einjährigen Zweige der wild in Virginia, Kanada und Sibirien vorkommenden, in Europa vielfach in Anlagen angebauten Stammpflanze: Thuja occidentalis L./Cupressaceae.

Die aus Thuja occidentalis, dem Lebensbaum, zubereitete Tinktur ist eines der bedeutendsten Polychreste in der Homöopathie. Die Thuja-Symptome und besonders auch die Modalitäten können in ihrer Vielseitigkeit und Wechselhaftigkeit vor allem durch die in der Homotoxikologie entwickelten Gesetzmäßigkeiten der Zusammenhänge verstanden werden. So ist Thuja ein Heilmittel bei verschiedenartigsten retoxischen Imprägnierungen, wie sie in den früheren vor-antibiotischen Zeiten, wenn man diesen Ausdruck wählen darf, besonders durch die unterdrückende Behandlung der Gonorrhö und anderer Erkrankungen mit externen Therapeutika, Silbersalzen usw. ausgelöst wurden.

Die Erscheinungen und Symptome, welche in Form von Imprägnationsphasen früher einem unterdrückten Tripper folgten und von Hahnemann als Sykosis bezeichnet wurden, können, wenn man die Heilwirkungen von Thuja nicht erkennt, fast unlösbare Probleme in der Therapie aufwerfen, da in solchen Fällen andere Präparate, auch Sulfur und sonstige nicht zur Wirkung kommen, wenn sie auch eine gewisse Beschwichtigung erreichen können. In solchen Fällen ist Thuja indiziert. Auch wenn allgemein Rückvergiftungen oder Schädigungen durch tierische Gifte erfolgten, zum Beispiel auch in Form von Schlangen- und Insektengiften, von Impfungen besonders nach Pockenschutzimpfungen, so ist Thuja indiziert.

Der Organismus selbst versucht, diese früheren retoxischen Imprägnierungen – seien sie nun durch Zufuhr von tiefgreifend wirksamen Toxinen wie Bakteriengiften usw. oder durch die therapeutische Hemmung von Reaktionsphasen sondern auch durch Unterdrückung eines Fiebers, einer Grippe, Angina usw. erzielt worden – nunmehr wieder in regressiven Vikariationen umzusetzen und die Toxine über Warzen, impetiginös krustöse Hautausschläge, asthmatische Bronchitis mit reichlichem Auswurf nachts auszuscheiden oder in Epithelproliferationen abzulagern, auch in Form von Warzen mit blumenkohlartigem Aussehen, Chalazion, Ranula der Glandula sublingualis, rezidivierenden Zysten der Bartholin-Drüsen oder auch in sonstigen, später herauswachsenden Hautanhängen wie speziell Haaren und Nägeln, die verkrüppelt sind und leichter abbrechen, oder auch in Form von Fluor albus.

Basierend auf zahlreichen Beobachtungen homöopathischer und biologisch arbeitender Ärzte scheinen auch Zusammenhänge zwischen vorher stattgefundener Pockenschutzimpfung und nachfolgenden adenoiden Vegetationen zu bestehen, welche dann eventuell eine Exstirpation dieser, den ganzen oberen Rachen und das Lumen der Nase ausfüllenden Polypen erforderlich machen.

Um ein Rezidiv zu vermeiden, ist hierbei auch Thuja indiziert, zunächst in Tiefpotenzen, zum Beispiel D2 oder sogar D1, später aufsteigend über D3, D4 bis zu Hochpotenzen (D30, D200, evtl. D1000). Zusätzlich ist ein homöopathisches Antihomotoxikum indiziert, welches neben Thuja auch zahlreiche Nosoden enthält und speziell auf die sykotische Konstitution einwirkt, nicht nur bei katarrhalischen Affektionen.

Auch allgemeine Katarrhe sonstiger Art, speziell im Urogenitalsystem können eventuell als solche Homotoxinausscheidungen erkannt werden. Bei der Frau finden sich heftige Schmerzen im linken Eierstock, welche, im Gegensatz zu den für Zincum oder Lachesis typischen Erleichterungen nach Eintritt des Blutausflusses, während der Menstruation anhalten beziehungsweise sogar noch zunehmen und in die Oberschenkel ausstrahlen, so dass die Frauen sie nicht mehr ertragen können und laut anfangen zu schreien. Beim Mann können sich nach Unterdrückung von Absonderungen Nebenhodenentzündungen entwickeln, die dann ebenfalls Thuja erfordern.

Die für Thuja charakteristischen Imprägnationsphasen äußern sich besonders auch in der typischen Gemütsstimmung, die häufig zu zorniger Erregung geneigt ist, auch Niedergeschlagenheit und Melancholie bis zum Lebensüberdruss aufweist. Die Patienten sind meist unzufrieden, ängstlich und besorgt um die Zukunft, dabei unruhig und mürrisch, können aber auch ganz im Gegensatz zu ihrer Grundnatur zwischendurch heiter und angenehm erregt sein mit ungewöhnlicher Leichtigkeit und unermüdlichem Temperament.

Die dem Nervensystem eigentümlichen Imprägnationsphasen, welche Thuja erfordern, äußern sich ferner durch schwerfälliges Denken und mühsames Finden der gesuchten Ausdrücke und Worte, sowie dadurch, dass manche Vorstellungen und Gedanken durch das Erinnerungsvermögen nur mangelhaft reproduziert werden können und die Patienten nur langsam denken und sprechen können, wobei allgemein auch eine Unlust zur Mitteilung und Mangel an Aufmerksamkeit besteht.

Typisch sind ferner für Thuja fixe Ideen, so dass Thuja auch bei Psychosen sowie bei Dementia praecox, recht nützlich sein kann, vor allem wenn es in Verbindung mit Psorinum und anderen tiefgreifenden Konstitutionsmitteln zur Anwendung kommt. Die Patienten möchten allein sein. Sie haben die Empfindung, als wären Seele und Körper getrennt, oder als seien der Körper und speziell die Glieder aus Glas und würden leicht brechen.

Die Patientinnen fühlen sich schwanger und empfinden Kindsbewegungen ohne wirklichen Grund. Sie leiden an Verfolgungswahn, als wenn jemand an ihrer Seite geht. Dabei besteht häufig eine äußerste Reizbarkeit, speziell gegenüber den Hausgenossen, dem Ehemann und der Mutter.

An den peripheren Nerven äußern sich die Thuja-Symptome durch Kopfschmerzen an eng umschriebenen Stellen, etwa als ob ein Nagel im Kopf, in den Schläfen oder in der Stirn stecke, wobei Hitze und Niederlegen verschlimmern, dagegen Besserung in frischer Luft eintritt. Rheumatische Kopfschmerzen, die für Thuja sprechen, verschlimmern sich dagegen in feuchter Luft sowie durch stimulierende, anregende Getränke und Speisen.

Der Thuja-Patient selbst macht einen kranken Eindruck und weist häufig ein „Salbengesicht“ auf von wächserner Konsistenz, das wie mit Fett bestrichen und häufig fast durchscheinend aussieht. Auch bei Krebskachexie mit gelblicher oder häufig auch blasser Hautfarbe findet man eventuell diese Thuja-Symptome.

Hervorstechend für Thuja sind Warzenbildungen, wobei Thuja allerdings in tiefen Potenzen häufig nicht ausreichend wirkt. Stauffer und andere empfehlen besonders die hohen und höchsten Potenzen, was vom Verfasser durchaus bestätigt werden kann. Überhaupt sind alle hornartigen Auswüchse auf der Haut und bräunliche Warzen auf der Bauchhaut eine Indikation für Thuja, ebenso große braune Leberflecke, jedoch auch Bläschenausschläge am ganzen Körper und auch Herpes zoster an der Brust, Herpes labialis und praebuccalis, wobei nach Kent auch noch Rhus toxicodendron, Graphites, Kalium jodatum und Mezereum in Vergleich gezogen werden sollen.

Da sich die Beschwerden rheumatischer Art, welche für Thuja charakteristisch sind, in der Ruhe und besonders in der Bettwärme verschlimmern, wirft sich der Thuja-Patient stets unruhig hin und her. In solchen Fällen wirkt Rhus toxicodendron nicht ausreichend, man muss Medorrhinum (die Tripper-Nosode) und Thuja hinzunehmen, um endgültige Heilungen zu erreichen.

Typisch für Thuja sind auch Schweiße, besonders an unbedeckten Körperstellen, so vor allen Dingen Schwitzen der Hand- und Fußsohlen und Nachtschweiße, welche erleichternd wirken. Auch starke Schweiße an den Genitalien werden durch Thuja günstig beeinflusst, besonders wenn sie unangenehm nach Fischlake riechen. Dabei besteht häufig Brennen und Jucken an den Genitalien, auch beim Urinieren, und es werden feigwarzenähnliche Knoten festgestellt.

In der Harnröhre sind reißende Schmerzen vorhanden mit dem Gefühl, als ob ständig Harn durch die Harnröhre abträufelte. Auch kann ein dicker, gelbgrüner Fluor vorhanden sein, sowohl aus der Vagina wie aus der Urethra.

Ebenso finden sich im Thuja-Bild scharfe Schmerzen in den Nieren, eventuell verbunden mit Entzündungserscheinungen, sowie brennender Harn und unspezifische Entzündungen im Sinne der Zystitis und Urethritis, ebenso Zystopyelitis und Blasenlähmung. Erscheinungen von Prostatitis weisen ebenfalls dann auf Thuja hin, wenn ständiger Urindrang besteht und der Patient trotzdem lange Zeit warten muss, bis er Urin lassen kann.

Die Darmtätigkeit ist meist träge, und Verstopfung ist typisch mit harten braunen Knollen. Dabei ist der Bauch krötenartig nach vorn gestülpt, etwa dem Bild der von Dr. Weiss (Mannheim) auf dem Homotoxin-Kongress 1968 herausgestellten Erkrankung des Mesenterialödems entsprechend.

Stauffer berichtet in seiner Arzneimittellehre über einen interessanten Selbstversuch mit Thuja D30 morgens und abends je fünf Tropfen in einem Schluck Wasser. Es stellten sich Herzklopfen und unregelmäßige Herztätigkeit ein mit Ungeduld und Reizbarkeit, unruhigen Nächten, wobei gleichzeitig unangenehme Erinnerungen aus dem ganzen Leben eindringlich in Erscheinung traten. Dazu kamen Frostschauer mit eiskalten Händen und Füßen, die über den Rücken bis zu den Extremitäten hinzogen und nicht durch Ofenwärme gebessert wurden, wobei das Verlangen bestand, an der Sonne zu sitzen. Jedoch nur die Sonnenseite wurde warm, die abgekehrte Seite fröstelte weiter und zeigte Gänsehaut mit empfindlichem Brennen, wenn sie abgerieben und frottiert wurde. Dabei wurden hirsekorngroße Partikel in großer Menge abgerieben (Exkretionsphase). Auch im Bett erfolgte stundenlang keine Erwärmung mit einseitig kaltem Bein links. Später setzte Hitze mit Schwitzen ein bei klarem und rege arbeitendem Geist und gleichzeitigem Durst auf kalte Milch.

Zwischendurch zeigten sich Hämorrhoidaljucken und Pflockgefühl im Mastdarm, später an der linken Ohrmuschel ein warzenartiges Knötchen an jener Stelle, wo vor 25 Jahren eine Warze durch Ätzung entfernt war (regressive Vikariation). Die Beschwerden wurden so stark, dass die Prüfung unterbrochen werden musste, weil die Arbeitskraft behindert wurde.

Zu erwähnen sind im Gegensatz zu der sonst meist vorhandenen Obstipation noch morgendliche Durchfälle (Exkretionsphase), die wie aus einem Spundloch schießen.

Die Zunge ist meist weiß mit schmerzhafter Spitze. Das Zahnfleisch kann geschwollen sein, auch können sich Geschwüre in Mund und Hals finden sowie Tonsillen- und Drüsenschwellungen, Magenbeschwerden mit Übelkeit und Würgen, ferner trockene, glanzlose Haare, weiche, spröde, rissige Nägel und besonders auch rheumatische Beschwerden mit Knacken und Krachen der Gelenke beim Strecken, ähnlich wie bei Petroleum.

Wichtig ist eine Modalität von Thuja, nämlich die Verschlimmerung bei Nässe und Kälte, in der Nähe von Wasser, in feuchten Wohnungen, bei Nebel sowie nachts und in der Ruhe, was sich besonders bei chronischem Muskel- und Gelenkrheumatismus bemerkbar macht, wobei es auch zu Ablagerungen in den erkrankten Partien kommen kann. Thuja ist damit nicht nur bei sykotischer Konstitution Hahnemanns, sondern auch bei der hydrogenoiden Konstitution von Grauvogel angezeigt.

Wenn die Hauptsymptome von Thuja zusammengefasst werden, ergibt sich folgendes wesentliche Arzneimittelbild:

  • Reizbare Gemütsstimmung, vor allem gegenüber dem Ehemann und der Mutter sowie den Hausgenossen, eventuell wechselnd mit euphorischer Gleichgültigkeit mit zorniger Erregung.
  • Schwerfälliges Denken, findet die Worte nicht beim Sprechen, schwieriges Erinnerungsvermögen.
  • Folgen der Einwirkung von Bakterien- und Tiergiften, Impfungen, Schlangenbissen usw. Allgemein ein Mittel bei chronischen Imprägnationsphasen, speziell nach retoxisch behandelter Gonorrhö, ebenso bei Kachexie, Siechtum, Salbengesicht. Nächtliche heiße, aber erleichternde Schweiße, tagsüber auch an den unbedeckten Körperteilen (Fußschweiß, Handschweiß, evtl. riechend). Übelriechende Genitalschweiße. Brennen und Jucken der Genitalien.
  • Große Schläfrigkeit in den Nachmittags- und frühen Abendstunden, bei unruhigem Schlaf in der Nacht und bei beängstigenden, grausigen oder auch erotischen Träumen.
  • Hauterkrankungen im Sinne von Depositionsphasen oder auch Reaktionsphasen, die sich aus Imprägnationsphasen entwickeln, speziell Warzen, Kondylome, Papillome, ferner Polypen an den Schleimhäuten, adenoide Vegetationen, Epithelproliferationen in den Drüsen, Chalazion, Ranula in der Glandula sublingualis und Zysten der Bartholin-Drüsen. Die Nägel sind verkrüppelt und brechen leicht ab. Die Haare sind glanzlos und fallen leicht aus. Impetiginös-krustige Hautausschläge.
  • Neuralgien beschränken sich auf eng umschriebene Stellen (wie ein Nagel in dem Kopf, schlimmer im warmen Raum, besser in der frischen Luft). Rheumatismus, Gicht, Harnsaure Diathese mit schießenden, stechenden Neuralgien sowie Knacken und Krachen der Gelenke.
  • Fixe Ideen. Absurde Symptome. Beginnende Psychosen. Gefühl des Gespaltenseins (Schizophrenie). Spürt Kindsbewegungen, ohne schwanger zu sein.
  • Allgemeine Verschlimmerung in der Kälte und Nässe. Hydrogenoide und sykotische sowie lymphatische Konstitution mit Verschlimmerung durch warme Anwendungen und in Bettwärme, ganz besonders durch Sonnenbestrahlung.
  • Obstipation mit knolligen, harten Stühlen, Krötenbauch (Mesenterialödem nach Weiss). Morgens heftige Diarrhöen.
  • Urogenitalerkrankungen. Zystitis. Zystopyelitis. Urethritis. Trippererkrankung. Ovariitis links mit heftigen Beschwerden während der Menstruation. Pruritus vulvae. Spitze Kondylome. Fluor albus mild, gelb-grün. Zu frühe Menstruation.
  • Charakteristisch ist eine Besserung bei regressiven Vikariationen in humorale Phasen mit einsetzenden Ausscheidungsvorgängen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Thuja occidentalis die folgenden Hauptindikationen für Thuja im Bundesanzeiger veröffentlicht: Haut- und Schleimhauterkrankungen. Verdauungsschwäche. Rheumatismus. Verstimmungszustände.